Unverhofft kommt oft, und so durfte ich als „Nachrücker“ an besagter Prüfung in meiner Gruppe Dresden antreten, weil ein gemeldetes Gespann kurzfristig absagte. Zugegeben hatte ich erst meine Bedenken, denn so drei Tage vorher ist schon recht kurz, doch mir wurde gut zugeredet. Zur Auswahl standen die gespritzte Fährte (SchwhK20) oder die getretene Fährte (SchwhKF20) mit Rotwildschalen bzw. Schweiß. Letztere wollte ich mit meiner Rauhhaarteckeline „Bena vom Klosterhirsch“, ein Jahr alt, arbeiten.
So fanden sich alle Gespanne, Richter sowie die Prüfungsleitung pünktlich früh um 8 Uhr am Treffpunkt ein. Nach der Vorstellung und Bekanntgabe des Ablaufes wurden die Chipnummern der Hunde mit den Ahnentafeln verglichen, die Impfausweise kontrolliert sowie die Fährten ausgelost. Zwei Gespanne waren auf der getretenen Fährte und zwei auf der gespritzten Fährte gemeldet. Ein Gespann wollte sich der Herausforderung der Schweißprüfung ohne Richterbegleitung. (SchwPoR20) stellen. Die Bedingungen im schönen Waldrevier bei Oberfrauendorf waren gut, es hatte leicht geregnet und die Temperatur war angenehm. Mir wurde per Los die Fährte eins zu Teil und nach Einweisung durch Richterin Kristina Funke am Anschuss fand ich deutlich Schnitthaar. Bena lag gut im Riemen und es ging auf einem schmalen Wildwechsel durch dichten Brombeerbewuchs bergab. Als der Fährtenverlauf den Wechsel verlies, folgte Bena noch kurz auf dem Wechsel. Nach kurzer Selbstkorrektur fand die Hündin aber den Abgang und es ging nun weiter steil runter über einen schmalen Forstweg. Mehrere Plätzstellen von Rehwild legten bei mir die Vermutung auf ein Wundbett nahe, aber es fehlte Schnitthaar. Ab und an konnte man Schaleneingriffe sehen bzw. vermuten. Dann das Kontrastprogramm steil bergauf, meine Teckeline lag immer noch straff im Riemen. Als ich oben kurz verschnaufte sah ich, wie sie etwas länger als sonst verwies. Ein Wundbett! Weiter ging es, an einer Zäunung wieder eine kurze Selbstkorrektur, dann durch eine Buchendickung. Weiteres Verweisen und die ruhige sichere Arbeitsweise von Bena stimmten mich froh. Und so dauerte es nicht mehr lange und wir standen am Stück. Als der Hund die Decke kräftig beutelte, verbliesen die beiden Richter Thomas und sein Vater Horst Grüning das Stück und gratulierten zum Erfolg. Momente, die man niemals vergisst! Unsere Arbeit wurde durch das Richterteam fachkundig und professionell eingeschätzt und besonders die Arbeitsweise meiner Hündin und unsere Zusammenarbeit als Team sehr gelobt.
Umgehend setzten die Richter zur Fährte zwei um und ließen mich mit der kurzen Erklärung zum Standort meines Autos allein. Meine Bena kühlte ihr Mütchen noch an einem Lauf und als wir beide allein waren, fiel bei mir ganz viel ab. Die Atmosphäre war einzigartig. Riesige Freude über die gezeigte Leistung des Hundes in erster Linie natürlich. Gleichzeitig schaute ich nach oben und gedachte Pepe und meiner Anni. Zwei Rauhhaarteckel die in gewisser Weise mein Leben verändert haben. Der Rückweg zum Fahrzeug war dann nicht so einfach, aber der örtliche Revierleiter und Stückeleger hat mich gerettet.
Auch Fährte Nummer zwei war von Quinn und seinem Führer Jens Fanselow binnen 40 Minuten erfolgreich gearbeitet worden und wir fuhren zur urigen Jagdhütte, die als Suchenlokal diente. Jeder Anwesende hatte leckere Sachen für Alle dabei und so war auch für das leibliche Wohl gesorgt. Leider hatten die anderen Gespanne weniger Glück, teils mussten sie kurz vor Ende abbrechen beziehungsweise erhielten sie ihren dritten Rückruf. Dennoch haben alle Hunde und Führer alles gegeben und sich der anspruchsvollen Prüfung gestellt! Jedes Team erhielt faire, fachkundige Einschätzungen und Tipps von den Richtern. Nach Bekanntgabe der Ergebnisse durfte ich die Urkunde zur bestandenen SchwhKF/20 im ersten Preis mit 100 Punkten in Empfang nehmen und habe mich riesig darüber gefreut! Es war ein sehr schönes Miteinander mit guten Gesprächen über unsere Hunde und in der tollen Landschaft des Osterzgebirges.
Pierre Halm
DTK Gruppe Dresden e.V.


